24092014 Forum Flossenbürg BerlinAn einer Lesung der besonderen Art durften die beiden oberpfälzer SPD-Bundestagsabgeordneten Marianne Schieder und Uli Grötsch in Berlin teilnehmen. Die Stiftung Denkmal für die ermordeten Juden Europas und die KZ-Gedenkstätte Flossenbürg stellten in der Bayerischen Landesvertretung das Buch „Elf Jahre. Ein Bericht aus deutschen Konzentrationslagern“ des ehemaligen Häftlings Carl Schrade erstmals vor.

Zu Ehren des Autors Carl Schrade reiste Dr. Jack Terry, Sprecher der ehemaligen Häftlinge des Konzentrationslagers Flossenbürg, aus New York an und erzählte den Gästen seine bewegende Geschichte. Der selbst in Gefangenschaft gehaltene Carl Schrade hat mit Hilfe des Häftlingsschreibers Milos Kucera den damals 15-jährigen Jack Terry in den Tagen vor der Befreiung versteckt und ihm eine neue Identität gegeben. Das rettete ihm das Leben und er wurde zum jüngsten überlebenden Häftling des Konzentrationslagers Flossenbürg.

„Diese zwei Personen sind die Wichtigsten meines Lebens“, dankte Jack Terry während er sein Handgelenk hoch hielt, an dem er Carl Schrades Uhr trug und damit tiefste Verbundenheit zeigte. Diese hat Terry, als er Schrade nach dem Krieg in Zürich ausfindig machen konnte, zum Abschied mit den Worten „ich wünsche dir eine gute Zeit“ geschenkt bekommen.

Noch gerührt von Terrys Erzählungen, führte der Leiter der KZ-Gedenkstätte Dr. Jörg Skriebeleit mit biographischen Eckdaten des Autors in die Lesung ein und betonte die Besonderheit dieses frühen Zeitdokuments.

Der ehemalige Häftling Carl Schrade (1896 – 1974) verfasste kurz nach seiner Befreiung aus dem KZ Flossenbürg einen Bericht über die vergangenen elf Jahre: Bis 1934 verbüßte er mehrere Haftstrafen wegen Eigentumsdelikten, danach wies ihn die Gestapo in das KZ Lichtenburg ein. Es folgten Esterwegen, Sachsenhausen, Buchenwald und Flossenbürg, wo er über sechs Jahre gefangen war. Schrade beschreibt die Gewaltexzesse der SS und erinnert auch an das Schicksal zahlreicher Mitgefangener. Seine Erinnerungen bilden den Auftakt zum Flossenbüger Forum. Mit ihnen wird erstmals die Stimme eines als „Berufsverbrecher“ verfolgten NS-Opfers laut.

Der Schauspieler und Regisseur Bernd-Michael Lade verlieh für die Lesung seine Stimme und ließ die Gäste an Carl Schrades Gedankengut teilhaben.

Tief bewegt von dem Abend machte MdB Marianne Schieder in einem anschließenden Gespräch mit Dr. Jack Terry und Dr. Jörg Skriebeleit deutlich, welch große Bedeutung solche Zeitzeugenberichte für die Aufarbeitung unserer Geschichte haben. „Wir müssen versuchen, so viel wie nur möglich mit lebenden Zeitzeugen zusammenzuarbeiten, denn bald wird dies nicht mehr möglich sein und damit der direkte Bezug verloren gehen“, betonte MdB Marianne Schieder.

Der Weidener Bundestagsabgeordnete Uli Grötsch und seine Schwandorfer Kollegin dankten Dr. Jörg Skriebeleit, dem Leiter der KZ-Gedenkstätte Flossenbürg für seinen Einsatz und seine wertvolle Arbeit uns sicherten ihm ihre weitere Unterstützung zu.