Auf dem Podium v.l.: Uli Grötsch MdB, Agnes Scharnetzky von „Need no Speed“, Harald Zintl von der Friedrich-Ebert-Stiftung, Journalist und Buchautor Maik Baumgärtner und Chef der Kriminalpolizei Weiden Thomas Bauer.

„Dem Thema fehlt die bundesweite Lobby. Der Umgang mit der synthetischen Crystal Meth bleibt eine der ganz großen Herausforderungen der Drogenpolitik!“, stellt der Weidener Bundestagsabgeordnete Uli Grötsch bei der Podiumsdiskussion „Gift frisst Hirn – Crystal Meth“ fest, zu der die Friedrich-Ebert-Stiftung am Donnerstag eingeladen hatte. „Erforderlich ist vor allem eine Verstetigung der Präventionsförderung“, fordert der SPD-Politiker. Über 100 interessierte Bürgerinnen und Bürger nahmen die Gelegenheit wahr, um in der Aula der Europa-Berufsschule Weiden mit Experten über die gefährliche Droge zu diskutieren.

Neben Grötsch saßen der „Spiegel“-Journalist und Autor des Sachbuches „Crystal Meth“ Maik Baumgärtner, die Projektkoordinatorin von „Need-No-Speed“, Agnes Scharnetzky und der Chef der Kriminalpolizei Weiden Thomas Bauer, auf dem Podium.

„Der Konsumentenkreis ist breit und reicht vom 13- bis zum 70-Jährigen“, fand Baumgärtner im Rahmen seiner umfangreichen Recherchen in Deutschland und Tschechien raus. Längst sei auch „überholt, dass dies ein Problem der Grenzregionen ist“. Zudem müsse man mit dem Image der „Horror-Droge mit Bildern ausgefallener Zähne“ brechen. Vielen würde man den Drogenkonsum nicht ansehen. Und er schlug vor, den „jungen Leuten vorzuleben, dass man nicht ständig funktionieren muss“. Bauer berichtet aus seiner Arbeit, dass Crystal Meth in der Region neben Marihuana die Hauptdroge und die Zahl der Drogendelikte seit 2008 bis auf 970 im Jahr 2014 gewachsen sei. Im laufenden Jahr sei die Zahl der Drogendelikte bereits so hoch wie im gesamten letzten Jahr. Scharnetzky hat täglich mit Konsumenten der Droge zu tun und weiß, dass niemand „qua Herkunft“ geschützt sei, Konsumenten stammten aus „Otto-Normalfamilien“. „Ich glaube, wir sind uns alle einig“, zieht Grötsch als Fazit: „Wenn Menschen zu derartigen Aufputschmitteln greifen, hat das auch immer etwas mit dem ständig wachsenden Leistungsdruck in unserer Gesellschaft zu tun!“.

Bereits im Vorfeld der Veranstaltung hat die Friedrich-Ebert-Stiftung in der Weidener Fußgängerzone über 460 Passanten zu Crystal Meth befragt und die Ergebnisse sind besorgniserregend: 87 Prozent der Befragten antworteten auf die Frage „Ist es leicht an Crystal Meth zu kommen?“ mit „Ja“. Unter den Befragten waren rund 300 Schüler, berichtete Harald Zintl, Leiter des Regionalbüros Regensburg der Friedrich-Ebert-Stiftung und Moderator der Podiumsdiskussion.

Ein Bericht über die Veranstaltung können Sie bei OTV ansehen.