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Die KZ-Gedenkstätte baut um – 70 Jahre nach der Befreiung des Konzentrationslagers Flossenbürg wird das Areal einer grundlegenden Neukonzeption unterzogen. Ein Teil der Umgestaltungsmaßnahmen ist die Versetzung des vor 20 Jahren errichteten Gedenksteins für die in den KZs ermordeten Sozialdemokratinnen und Sozialdemokraten. Am Donnerstag feierte die OberpfalzSPD die Neuinstallation im sogenannten „Tal des Todes“. Unter den Genossinnen und Genossen weilte ein prominenter Gast: Die stellvertretende SPD-Bundesvorsitzende und Staatsministerin Aydan Özoğuz.

DSC_0655Gedenkstättenleiter Dr. Jörg Skriebeleit führte die über 50 Teilnehmer durch den Außenbereich der Gedenkstätte, erklärte den laufenden Umbau und erzählte von den schwierigen Verhandlungen vor der Errichtung des Gedenksteins Mitte der 90er Jahre. Die Bayerische Staatsregierung stand dem Ansinnen der SPD ablehnend gegenüber, doch der engagierte Flossenbürger Gemeinderat und ehemalige SPD-Ortsvereinsvorsitzende Albert Schwägerl als maßgeblicher Initiator setzte sich schließlich durch und seine Idee in die Tat um.

 

Was Albert Schwägerl über die Versetzung gedacht hätte, darüber könne man nur spekulieren, meinte Skriebeleit. „Der Albert hat immer gesagt: „Versetzen können’s den Stein vielleicht, aber rausschmeißen können’s ihn nimmer“, erzählte der Gedenkstättenleiter schmunzelnd. „Ich bin mir aber sicher, dass der neue Standort dem Albert gefallen hätte.“ Im Tal des Todes – dem Ort von Massenerschießungen und der Ruhestätte tausender ermordeter KZ-Häftlinge – sei der Stein an der richtigen Stelle angekommen. Skriebeleit verwies auf die Inschrift „Den Frauen und Männern, die ihr Leben gegeben haben für Menschenwürde, Freiheit und Gerechtigkeit“.

DSC_0686Die stellvertretende SPD-Bundesvorsitzende Aydan Özoguz verneigte sich vor den Opfern der Nazi-Barbarei und forderte in ihrer Rede dazu auf, aus der Vergangenheit die richtigen Lehren zu ziehen: „ Nichts ist mit der damaligen Zeit vergleichbar. Und doch müssen wir aus der Geschichte lernen, dass in diesem Land Menschenverachtung und Hass nie wieder einen Platz finden dürfen. Unsere Pflicht ist es, die Erinnerung zu bewahren und im Engagement nicht nachzulassen. Es gibt durchaus rassistisches Gedankengut oder eine Wegschau-Mentalität.“

 
DSC_0698Die SPD-Mandatsträger MdB Uli Grötsch, MdL Franz Schindler, MdL Annette Karl und der Flossenbürger SPD-Vorsitzende Roman Schell waren sich einig, dass der Gedenkstein auch stellvertretend für alle anderen Opfer des Nazi-Terrors stehe: „Wir gedenken aller Opfer. Aber wir werden auch nicht vergessen, wie sehr sich damals Sozialdemokraten gegen ein menschenverachtendes System einsetzten und das oft mit Verfolgung oder gar mit ihrem Leben bezahlten.“ Es bleibe die Verantwortung der Sozialdemokratie, gegen Menschenfeindlichkeit und Rassismus einzutreten.