Mein Praktikum bei Uli Grötsch – Bericht von Anna-Maria Raja

„Hast du schon Angela Merkel getroffen?“ war eine der zahlreichen Fragen, die mich während meiner Zeit als Praktikantin im Abgeordnetenbüro von Uli Grötsch erreicht haben. Viele konnten sich nicht vorstellen, wie mein Alltag wohl aussehen würde – ich zu Beginn tatsächlich auch nicht.

Mein Name ist Anna-Maria Raja und ich komme aus Weiden. Momentan studiere ich im Abschlusssemester des B.A. der Politikwissenschaft und dem Öffentlichen Recht an der Universität Regensburg. Für den erfolgreichen Abschluss meines Studiums benötigte ich noch eine Praktikumsstelle. Über die Semester suchte ich nach einer spannenden und interessanten Stelle, die ich nun in Berlin gefunden hatte:

Im Juni 2018 war es nun soweit. Ich packte meine Sachen und fuhr nach Berlin. Montagmorgen wartete ich nervös am Eingang des Paul-Löbe-Hauses. Meine Nervosität wurde mir aber schnell genommen. Die Herzlichkeit, mit der mich Katharina Antoniades und Selda Özdemir empfangen haben, machte es mir unmöglich, mich nicht vom ersten Augenblick an wohl zu fühlen. Vergessen war die Angst, den Aufgaben nicht gewachsen zu sein.

Glücklicherweise gab es in den vier Wochen meines Praktikums drei Sitzungswochen, in denen spannende Themen wie der Unionsstreit und die Frage nach der Lösung der Flüchtlingsproblematik von großem Interesse waren. Was bedeutete, dass ich hautnah den politischen Prozess vor Ort miterleben konnte und auch den damit verbundenen Stress. Nachdem ich auch Uli Grötsch kennengelernt hatte, wurde mir erst bewusst, wie spannend die nächsten Wochen wohl werden würden. Erfreut konnte ich feststellen, dass ich nicht nur Kaffee kochen oder Akten vernichten, sondern integriert im eingespielten Team mitarbeiten und meine Meinung zu den Themen äußern durfte. Viel Zeit zum eingewöhnen hatte ich jedoch nicht. Da mein Praktikum in einer Sitzungswoche begann, wurde ich „ins kalte Wasser“ geworfen und durfte gleich mit Uli von einem Termin zum nächsten „hetzen“ – und ich meine „hetzen“, denn Uli geht ziemlich schnell. Von Terminen in Sitzungen der AG Innen und dem Innenausschuss bis zu Diskussionen, die von Externen, wie der Friedrich-Ebert-Stiftung organisiert wurden, war alles dabei. In den Sitzungswochen gab es zusätzlich die Möglichkeit den Plenarsitzungen beizuwohnen und das „Alltagsgeschäft“ der Abgeordneten nicht nur in der Theorie, sondern auch in der Praxis zu studieren. Dabei nahmen sich alle immer die Zeit, mir die Strukturen, Personen und Entwicklungen zu erklären, sodass kaum eine Frage offenblieb.

In der einen sitzungsfreien Woche war vermehrt Zeit für Gespräche und das aktive Einführen in die tägliche Büroorganisation. Das Abarbeiten der Post, das Recherchieren zu aktuellen Fragen oder Bürgeranfragen, bzw. das Erstellen von Vermerken gehörten ebenso, wie das Packen von Geschenktaschen zu meinem Tätigkeitsfeld. Dabei habe ich erkannt, wie viel Arbeit neben dem Hauptgeschäft erledigt werden musste.

Viele Abgeordnete bieten für Personen aus dem Wahlkreis Berlinfahrten an, so auch Uli. Hierbei übernahmen vor allem Katharina und Selda die Vorab-Planung und Durchführung und boten mir die Möglichkeit, dem Team bei ihrer Arbeit zur Hand zu gehen. Katharina nahm sich zusätzlich die Zeit, mir in einer kleinen Führung die prächtigen Gebäude des Bundestages und deren Geschichte etwas näher zu bringen und das, obwohl sie selbst genug zu tun hatte.

Zeitgleich wird von der SPD ein Praktikantenprogramm angeboten, welches durch Abgeordneten- und Expertengespräche oder Besichtigungstouren den Praktikanten weitere Einblicke „hinter die Kulissen“ des politischen Berlins ermöglicht. So konnte man über die Familienpolitik der Großen Koalition mit Ulrike Bahr sprechen, das Bundeskanzleramt, das Willy-Brandt-Haus oder das Bundesministerium für Finanzen besichtigen. Auch Gespräche zum Thema Rechtsextremismus oder der Energiepolitik waren für mich von Interesse. Mein Versuch so viel wie möglich aus meiner Zeit mitzunehmen, führte dazu, dass ich zum Teil Schwierigkeiten hatte, alle Termine zu koordinieren. Es gab ein so großes und vielfältiges Angebot, jedoch nur wenig Zeit. Vier Wochen waren eindeutig zu kurz und wenn ich die Möglichkeit gehabt hätte, wäre ich gerne etwas länger geblieben.

Abschließend kann ich festhalten, dass es ein sehr bereicherndes, spannendes und lehrreiches Erlebnis war. Dieses Praktikum hat meine Erwartungen und Erfahrungsberichte von Kommilitonen bei weitem übertroffen. Es stellt für mich kein durchschnittliches Praktikum dar, welches man regelmäßig als Politikwissenschaftsstudent absolviert. Es ist etwas Besonderes und eine große Chance. Im Zuge des politikwissenschaftlichen Studiums studiert man die Strukturen und Prozesse des politischen Systems und Entscheidungsprozesses in der Theorie, aber zu sehen wie dies in der Realität umgesetzt wird und in diesem Prozess selbst mitzuwirken, ist doch eine ganz andere Erfahrung. Auch wenn ich in diesen vier Wochen in einer „politischen Blase“ gelebt habe, möchte ich diese Erinnerungen nicht missen. All das war nur durch das große Engagement von Katharina Antoniades, Selda Özdemir und Uli Grötsch möglich, die mich mit ihrem Enthusiasmus und Ehrgeiz angesteckt haben. Ich habe in diesen vier Wochen so viel mehr über Politik, den politischen Alltag und vor allem über mich selbst gelernt, als ich jemals erwartet hätte. All diese Erinnerungen werden mir ungemein für meine zukünftige Entwicklung weiterhelfen und ich werde immer sehr gerne an diese Zeit zurückdenken. Und nein, ich habe Angela Merkel nicht getroffen, jedoch so einige andere bekannte Gesichter.

2018-07-05T16:51:54+00:00 02/07/2018|