Wie wir den Terror besiegen können, ohne eine einzige Bombe zu werfen

Uli Grötsch, SPD, MdB., Bundestagsabgeordneter, Abgeordneter Ordnungsnummer: 3543978 Name: Grötsch, Uli Ereignis: Porträt/Portrait Fotograf: Inga Haar Bildnachweis: Deutscher Bundestag/Inga Haar Nutzungsbedingungen: https://www.bundestag.de/wissen/archiv/sachgeb/bilda/bildnutz.html Es werden nur einfache Nutzungsrechte eingeräumt, die ein Recht zur Weitergabe der Nutzungsrechte an Dritte ausschließen

Gastbeitrag von Uli Grötsch MdB in The Huffington Post:

 

 

 

 

Die Attentate von Paris haben uns kalt erwischt- auch, wenn es nicht der erste Anschlag des „Islamischen Staates“ (IS) in Europa war. Sie haben auch gezeigt, wozu das Terrorregime imstande ist: Erstens zeitgleiche, minutiös durchgeplante Anschläge an verschiedenen Orten.

Zweitens handelt es sich bei den Attentätern um „Produkte“ unserer, freien und offenen Gesellschaften.

Sicherlich wurde viel in der Vergangenheit integrationspolitisch mindestens verschlafen, wenn nicht sträflich ignoriert. Nicht nur in Frankreich oder Belgien, sondern auch bei uns in Deutschland. Für mich als Innenpolitiker ist aber jetzt die Frage wichtig, was wir tun müssen, um die überwiegend jungen Menschen aus den Fängen von IS-Rattenfängern zu befreien.

Unsere Sicherheitsbehörden sind gut aufgestellt. Auch unsere Anti-Terrorgesetze sind angemessen und ausreichend. Diese repressiven Maßnahmen sind aber nur eine Seite der Medaille.

Sicherlich wurde viel in der Vergangenheit integrationspolitisch verschlafen

Die andere Seite der Medaille ist Prävention und Deradikalisierung. Tatsächlich ist sich die „Politik“ so einig wie selten zuvor: Prävention ist die beste Terrorbekämpfung!

Deshalb gibt es für das Bundesprogramm „Demokratie Leben!“ ab 2016 deutlich mehr Geld. So kann die niedrigschwellige Arbeit der einzelnen Vereine und Initiativen vor Ort in den Ländern langfristig gefördert und ausgebaut werden.

Außerdem wird es eine Koordinierungsstelle auf Bundesebene geben, damit sich die Vereine und Träger über ihre Arbeit in der Islamismus/Salafismus-Prävention vernetzen und austauschen können.

Prävention ist die beste Terrorbekämpfung!

Viele Jugendliche, die sich dem IS anschließen und sich radikalisieren, fühlen sich unserer Gesellschaft nicht zugehörig, sogar ausgegrenzt. Meist spielen soziale Faktoren eine Rolle.

Diese Jugendlichen, überwiegend mit Migrationshintergrund, können leichter von Mitgliedern ihrer Gemeinden bzw. von Menschen, die selbst Migrationserfahrung haben, erreicht werden. Zum Beispiel setzen die Polizeien in ihrer Präventionsarbeit verstärkt auf kultursensible Ansprache durch migrantische Polizisten.

Deshalb ist es wichtig, die muslimischen Verbände mit einem Staatsvertrag zwischen Verband und dem jeweiligen Bundesland ins Boot zu holen, wie es bereits in Hamburg praktiziert wird. Wir wollen von den Gemeinden, dass sie die Radikalisierung von gefährdeten Jugendlichen verhindern.

Dafür braucht es aber hauptamtliche Strukturen, z.B. Imame, die in Deutschland ausgebildet wurden, aber auch Sozialpädagogen. Mit einem Staatsvertrag könnte deren Finanzierung gesichert werden. Außerdem würden auch Fragen wie religiöse Toleranz, Gleichberechtigung von Mann und Frau und andere Standards darin geregelt werden.

Stattdessen gibt es bislang nur Ehrenamtliche, die sich ausschließlich von Spendengeldern finanzieren müssen und Imame, die aus den jeweiligen Heimatländern abgeordnet werden.

Anlaufstellen für Betroffene gibt es zum Beispiel beim Bundesamt für Migration und Flüchtlinge, aber auch in den Bundesländern. Vereine wie das Violence Prevention Network e.V., Ufuq e.V., Hayat Deutschland e.V. aber auch die Bundeszentrale für politische Bildung machen in der Präventionsarbeit und im Bereich Deradikalisierung eine enorm wichtige Arbeit im direkten Kontakt vor Ort. Das müssen wir ausbauen, denn der Bedarf ist da.

Den Artikel können Sie hier nachlesen:

www.huffingtonpost.de

2015-11-27T11:43:45+00:00 27/11/2015|