Die Zentrale der Autowerkstattkette ATU, aufgenommen am 08.12.2016 in Weiden in der Oberpfalz (Bayern). Zur Zukunft der angeschlagenen Autowerkstattkette ATU mit rund 10 000 Beschäftigten wird am Donnerstag eine Entscheidung um die Zukunft des Unternehmens erwartet. Foto: Armin Weigel/dpa +++(c) dpa - Bildfunk+++

Dazu schreibt der Neue Tag: Riesige Freude und Erleichterung herrschen in der Weidener ATU-Zentrale. Auf den letzten Metern der Zielgerade einigen sich am Donnerstagnachmittag die Gesellschafter von Deutschlands größter Werkstattkette mit der Deutschen Bank, die überteuerten Mieten für 273 Filialen zu senken – und den Weg frei für die Übernahme durch die Mobivia Groupe zu machen.

Am Donnerstag um Mitternacht wäre eine Art Ultimatum ausgelaufen. Ein dramatisches Timing. Kurz vor 14.30 Uhr ruft ATU-Vorstandsvorsitzender (CEO) Jörn Werner Weidens Oberbürgermeister Kurt Seggewiß an und verkündet die Frohbotschaft: „ATU ist gerettet.“ Wenige Minuten später telefoniert der Bundestagsabgeordnete Uli Grötsch (SPD) mit ATU-Chef Werner – und erhält dieselbe Bestätigung. „Es ist die beste Nachricht des Jahres. Jetzt ist alles gut“, sagt Grötsch.

Hinter den Kulissen spielt in den vergangenen zwei Wochen eine bemerkenswerte regionale Allianz über Bande, um die völlig festgefahrenen Gespräche mit dem Vermieter, der niederländischen Lino-Gruppe, wieder in Gang zu setzen. Während Grötsch seinen Parteifreund Bundeswirtschaftsminister Sigmar Gabriel und dessen Staatssekretär Matthias Machnig einschaltet, bemüht Bundestagsabgeordneter Albert Rupprecht (CSU) Bayerns Wirtschaftsministerin Ilse Aigner.

Die hinter Lino stehende Deutsche Bank und der US-Hegdefonds Davidson Kempner lassen dann mit sich reden … Das Ergebnis kommentiert Rupprecht begeistert mit einem „super“. „Das ist eine wirtschaftlich sinnvolle Lösung und ein Sieg der Vernunft“, kommentiert Aigner in München. Mit der Einigung sei die entscheidende Hürde für die geplante Übernahme durch die Mobivia Groupe genommen.

„Heute ist ein großer Tag für ATU und damit für Weiden – und für die ATU-Mitarbeiter ein vorgezogener Heiliger Abend“, freut sich Weidens OB Seggewiß. Der Oberbürgermeister nennt den Einstieg der kapitalstarken französischen Gruppe zum Jahresende eine gute Lösung: „Wenn sich zwei Auto-Profis zusammenfinden, passt das Ergebnis.“

ATU-Mitarbeiter und -Führung stoßen mit Sekt auf die Einigung in buchstäblich letzter Minute an. Die für die frühen Abendstunden angekündigte Presseerklärung von ATU lässt auf sich warten. Offenbar sind noch einige Details abzustimmen. „Die Einigung steht jedoch“, verlautet aus der ATU-Zentrale. Zuletzt hatte sich eine Abschlagszahlung von 100 Millionen Euro als Knackpunkt in den Verhandlungen erwiesen, sollte es zu „marktüblichen“ Mieten für 273 Filialen kommen. Wäre hier kein Konsens zustande gekommen, hätte ATU die Insolvenz gedroht.

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